Überraschender Gewinner der Cannabis Legalisierung: Der Mittelstand

Dabei kommen die Dollars nicht etwa aus den ungewaschenen Jeanstaschen ehemals verstohlener, 20-jähriger Kiffer; im Gegenteil. Natürlich ähnelt etwa der jährliche Cannabis Cup in Denver an vielen Orten mehr Woodstock als einer Bridge Party. Aber generell gehört der alltägliche Durchschnittskunde der Cannabis Shops in Colorado zu den sogenannten „Business Professionals“ über 25 bis 55, mit überdurchschnittlichem Einkommen und solide im Mittelstand positioniert.

Entsprechend der Kaufkraft und ästhetischen Ausrichtung ihrer Kunden erinnern die Mehrzahl der amerikanischen Hanf-Geschäfte auch eher an Wein- oder Zigarrenläden, nur das hier keine gelernten Sommeliers mit Kunden über Abgänge fachsimpeln, sondern professionell anmutende „Budtender“ mit viel Einfühlungsvermögen die individuellen Anforderungen der Kunden eruieren und dann die entsprechenden Cannabis Sorten herausfiltern. Die Beschreibungen der Pflanzencharakteristika und Aromen erinnern dabei deutlich an die blumige Sprache von Weinwälzern und Trüffel-Tastings.

Doch von Zigtausenden besuchten Festivals und einheimischen, wohlhabenden Stammkunden sind dabei beileibe nicht die einzigen Geldquellen, die in Colorado und anderen offenen Staaten seit der Cannabis Legalisierung sprudeln. Generell nimmt der Weed-Tourismus ein zahlenmäßiges Ausmaß jenseits aller Vorhersagen an. Das lässt die lokale Wirtschaft boomen und kurbelt die Steuereinnahmen zusätzlich an. 2014 haben die für den Tourismus Zuständigen 71,3 zusätzliche Millionen Besucher in Colorado verzeichnet, über den gesamten Bundesstaat verteilt. Diese reiselustigen Kiffer ließen die sagenhafte Summe von 18,6 Milliarden Dollar zurück, die neben Gras-Einkäufen bei Hotels und in der Gastronomie, im Einzelhandel und bei Veranstaltern landeten – und nebenbei ein hübsches Sümmchen für den Staat abwarfen, völlig unabhängig von der Cannabis Steuer an sich.

Hinzu kommen die Zusatzeinnahmen, die im Kontext des zu therapeutischen Zwecken genutzten Marihuanas stehen.

Inzwischen haben sich zahlreiche spezialisierte Mediziner, Therapeuten, beratende Ausgabestellen und Apotheken sowie andere heilpraktische Kleinunternehmen in Colorado etabliert, die sich auf die Behandlung mit medizinischem Marihuana konzentrieren. Interessanterweise haben die Anfragen nach Kassen-Lizenzen nicht zugenommen. Nach wie vor liegt die Zahl der sogenannten „Medical Marijuana Cardholders“, die ihr THC verschrieben und dieses dann von der Krankenkasse erstattet bekommen, bei 110.000 bis 115.000. Allem Anschein nach beginnen Patienten und Therapeuten, an den Kassen vorbei die Behandlung selbst zu konzipieren und zu finanzieren.

Das der Dot Bong ernst genommen wird, lässt sich auch an den Persönlichkeiten ablese, die ihre hart verdienten Millionen in seine Zukunft investieren. Ein Beispiel: Peter Thiel, Gründer des Internet-Bezahlgiganten Paypal (für 1,5 Milliarden Dollar an Ebay verkauft) und mit seiner Investment-Firma Founders Fund erster externer Anleger bei Facebook und beteiligt an Firmen wie Spotify und Airbnb. Thiel hat Millionen des Fund-Vermögens in die Firma Privateer Holdings gesteckt, die sich selbst als Private Equity Unternehmen beschreibt, welches „die Zukunft der legalen Cannabis Industrie mitgestalten“ wird. Privateer Holdings will unter anderem – in Einverständnis mit seinen Erben – Bob Marleys Namen als „Marke“ unterschiedlicher Cannabis Produkte weltweit vermarkten.

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