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Hanf ist nicht gleich Hanf

Die Idee, Hanf wie Erdbeeren zur Selbsternte anzubieten, ist gescheitert. Dabei ist Hanf eine alte Kulturpflanze.



KRONACH.Hanf zum Selbstpflücken, das sorgte im vergangenen Jahr für Furore. Landwirt Josef Bayer hatte 1,3 Hektar der elterlichen Erdbeerplantagen im oberfränkischen Kronach in ein Hanffeld verwandelt. Warum sollte das, was bei Erdbeeren seit 30 Jahren bestens funktioniert, das Selberernten, nicht auch bei Hanf möglich sein? Der Konsument bekommt ein Bewusstsein für die Pflanzen und für die landwirtschaftliche Mühe der Ernte.

Speziell im Falle Hanf, eine Pflanze, die als Droge in Verruf geraten ist, will Josef Bayer ein neues Nutzungsimage der Pflanze „begreifbar“ machen, indem jeder die Pflanze beim Ernten fühlt, riecht und über den Anbau qualifiziert informiert wird.

Keine Abgabe an Privatpersonen

Doch die Gesetzeslage verbietet die Abgabe an Privatpersonen. Zu groß ist immer noch die Angst vor der Droge, obwohl man aus Nutzhanf, auch Faserhanf genannt, keine Drogen gewinnen kann. Nur Gewerbetreibende gegen Vorlage des Gewerbescheins oder der entsprechenden Steuernummer dürfen auf Josef Bayers „Haschfeld“ ernten. Despektierliche Formulierungen, der Dschungel von Verordnungen und Rechtsauffassungen, unterschiedliche Durchführungen in den einzelnen Bundesländern und EU-Staaten setzten Josef Bayer zu und kosteten ihn viel Energie. „Das geht an die Substanz, geistig wie körperlich.“ Entschädigt wurde Josef Bayer durch die enorme Nachfrage. Auch wenn derzeit deutschlandweit der Hanfanbau etwas stagniert, vergrößerte Josef Bayer seine Anbaufläche – risikobereit, wie er ist – fast 15 Hektar.

Aber Hanf ist nicht gleich Hanf. Ob Hanf berauschend wird, hängt letztendlich vom THC-Gehalt der Pflanzen ab, das ist der in den Blüten wirksame psychoaktive Wirkstoff. Der muss nach den EU-Richtlinien unter 0,2 Prozent liegen, womit jegliche Drogenverwendung des Hanfes ausgeschaltet ist. Es dürfen EU-lizenzierte Sorten angebaut werden. Davon gibt es derzeit 58.

„Das geht an die Substanz, geistig wie körperlich.“

Landwirt Josef Bayer

Des Weiteren werden auf den Feldern weibliche und männliche Pflanzen wegen der Samenbildung angepflanzt. Durch die Samen bekommt der Hanf einen eher unangenehm öligen Geschmack, weshalb er schon deshalb völlig ungeeignet zum Kiffen ist.

Schlaffördernd und entspannend

Worauf es beim Nutzhanf ankommt, ist der Wirkstoff Cannabidiol, CBD. Er wird sehr stark in der Medizin nachgefragt, weil er entzündungshemmend, schlaffördernd und entspannend wird. Josef Bayer hat diese positive Wirkung am eigenen Leib als Reizdarmpatient erlebt. Durch CBD-Öl wurde er schmerzfrei. 90 Prozent seiner Ernte gehen deshalb an CBD-Ölproduzenten. Infolge der immer größer werdenden Zahl von Schmerzpatienten steigt die Nachfrage von CBD im medizinischen Bereich enorm, da Hanf Schmerzen lindert. Umso unverständlicher ist für Josef Bayer das Zulassungsverfahren um Medizinalhanf. Drei Jahre Hanfanbauerfahrung muss man nachweisen, mindesten 50 Kilo Hanf jährlich verkauft haben. Das Geschäft mit Hanf machen derzeit die kanadischen und niederländischen Firmen.

Hochwertiges Speiseöl

Die Lebensmittelindustrie beginnt sich ebenfalls immer mehr für Hanf zu interessieren, insbesondere Teeproduzenten, zuweilen auch Brauereien. Wegen der ungesättigten Fettsäuren kann aus Hanf hochwertiges Speiseöl hergestellt werden. Hanf-Kekse vom Chiemgaukorn wurden dieses Jahr als eines der zehn besten ökologischen Lebensmittel in Bayern auf der „Grünen Woche“ in Berlin ausgezeichnet.

Hanf-Burger werden inzwischen in Franken vermarktet. Aus den Fasern stellte man schon früher Seile, Papier, Verbundwerkstoffe und Textilien her. Diese Tradition gilt es teilweise wiederzuentdecken. Hanftextilien gibt es bislang nur selten, Büropapier aus Hanf gar nicht. Die holzigen Teile des Hanfs verwendet man als Tiereinstreu oder für Bau- und Dämmstoffe.

Ökologischer Anbau

Über die Hälfte der Hanffelder werden ökologisch bewirtschaftet. Das liegt an besonderen Eigenschaften des Hanfs. „Hanf ist eine ganz erstaunliche Pflanze“, schwärmt Josef Bayern. Hanf ist robust, resistent gegen Schädlinge, anspruchslos, und unterdrückt Unkraut hervorragend. Durch die tief reichenden Pfahlwurzeln saugt Hanf Wasser und Nährstoffe aus großer Tiefe. Im letztjährigen heißen Sommer überlebte Hanf ohne Düngung, Pestizide und Bewässerung. Josef Bayer hatte sogar den Eindruck, dass sich in den Blüten durch die Hitze mehr Wirkstoffe angereichert hatten. Spezielles Ökosaatgut gibt es nicht. Ökolandwirte müssen auf konventionelle Sorten zurückgreifen und dies ausführlich für die Betriebskontrolle dokumentieren. Dafür kann ein Hanfbauer mit zwei bis drei Ernten pro Jahr rechnen.


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